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Berichte

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Die Frühlingsnacht beginnt mit einer Komödie

Marbacher Zeitung, Sabine Armbruster, 12.03.2017

MZ Thermofliz 13-03-2017

Ausstattung mit viel Liebe zum Detail: Malermeister Axel Opitz und sein muskelbepackter Gehilfe Peter Eisele. Foto: avanti

Rielingshausen – Wegen Überfüllung mussten am Samstagabend etliche Besucher der Rielingshäuser Gemeindehalle abgewiesen werden. Ob das am neuen Pächter der Gaststätte lag, am Theaterstück, an der später vom Musikerduo Al & Al präsentierten Tanzmusik, der Bar oder daran, dass der Eintritt kostenlos war, was der Regisseur und Vorstand Reinhardt Giebel in seiner Begrüßung keck vermutete, sei dahingestellt. Fest steht: Die, die einen der über zweihundert Plätze ergattert hatten, verbrachten eine besondere Frühlingsnacht. Bereits zum dritten Mal gab es dieses Unterhaltungsangebot „von Rielingshäusern für Rielingshäuser“, wie es Laienschauspieler Roland Stickel formulierte.

Die noch namenlose Theatergruppe im Turnerbund trat erstmals als „Wei’Schtengl“ auf. Weinstengel als örtliche Gebäckspezialität gab es auch zum Verkosten – in 300-facher Ausfertigung von Sigrid Schmiedt, einer der Darstellerinnen, nach historischem Rezept gebacken.

Auch der Einakter von Andreas Leopold, der von der Mimengruppe kräftig mit Lokalkolorit bemalt worden war, hatte im weitesten Sinne mit der Küche zu tun. Denn eigentlich gingen fast alle Figuren im Stück davon aus, dass ihnen der neue Thermoflitz vorgestellt werden sollte. Dass anders als sonst bei Küchengerätevorführungen auch noch zwei Maler anwesend waren, lag daran, dass der Termin zum Streichen der Gaststube Rössle schon seit Wochen vereinbart war. Doch man muss eben richtig lesen. Es ging nämlich nicht um eine Thermoflitz-Vorführung, sondern um eine Thermoflitz-Verführung. Was am Ende zu einer faustdicken Überraschung führte und dazu, dass Rainer Holzwarth in seiner Rolle als Herkules im Borat-Kostüm, dem neongrünen Stringtanga-Badeanzug, auftrat. Mehr soll nicht verraten werden, denn am 8. April gibt es nochmals eine Aufführung im Marbacher Schlosskeller.

Auch sonst zeigten sowohl die Kulissen (Holger Weid) als auch Ausstattung und Maske (Andrea Opitz und Sabine Marx) viel Liebe zum Detail. Der radebrechende Malergehilfe Igor Rieczling (Peter Eisele) war so mit künstlichen Muskeln ausgestattet worden, dass er kaum die Arme anlegen konnte. Ruth Dornfelder (Cornelia Poltmann) sah in Kittelschurz, Kopftuch und Nylonkniestrümpfen so urschwäbisch aus, dass man ihr das Hochdeutsch glatt verzieh. Und Olaf Struller (Frank Müller) war mit blütenweißer Hose, rosa Hemd und Glitzerschal so auffallend kostümiert, dass sich niemand wunderte, als er Malermeister Max Lemberger (Axel Opitz) anbaggerte. Ein Hingucker auch Thomas Forch als Erna Trollinger und Ute Singer als Ursel Kerner. Schauspielerisch wussten die Darsteller ebenfalls zu überzeugen, und man merkte ihnen an, dass sie mit ebenso viel Spaß bei der Sache waren wie ihr Publikum.

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Humoriger Schwank mit Lokalkolorit

Marbacher Zeitung,  Rita Brandenburger-Schift, 19.07.2016

 

Bericht MZ 19-07-2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der „Banküberfall mit Rollator“ ist geglückt

Marbacher Zeitung, Dominik Thewes, 22.03.2016

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Das Stück thematisiert auf leichte Weise das schwierige Thema der Altersarmut.

Marbach-Rielingshausen – Die Gäste der Theatergruppe des Rielingshäuser Turnerbundes haben sich zum Auftakt der „zweiten Frühlingsnacht“ am Samstag zunächst in der Zeit zurückversetzt gefühlt. Der eigentliche „Bankraub mit Rollator“, wie das neue Stück der Theatergruppe heißt, wurde ihnen nämlich als Schwarzweiß-Film gezeigt. „Der war super gemacht“, schwärmt die Rielingshäuserin Tanja Hörmann, die als eine von rund 250 Gästen in der ausverkauften Gemeindehalle bei dem Sechs-Personen-Stück mitfieberte.

Dass in dem Film nicht irgendeine Bank, sondern just jene in Rielingshausen überfallen wird, setzt dabei den Ton für den weiteren Abend. Denn auch nach dem übergangslosen Wechsel zum Bühnenstück werden immer wieder Rielingshäuser Persönlichkeiten und Besonderheiten Teil der Handlung. So will Gauner Fred den drei älteren Herrschaften die Beute streitig machen. Die wissen sich zu wehren. Nur leider überlebt es der Schurke nicht, als er eine Flasche über den Kopf bekommt. Und so „entsorgen“ die drei Rentner die vermeintliche Leiche in einem Container der Firma Stickel im Nachbarort Kirchberg. Aber auch der Ortschaftsrat bekommt sein Fett weg. Zum Beispiel, weil dieser es noch nicht geschafft hat, ein schnelles Internet nach Rielingshausen zu holen.

Dabei wäre die Rentnerin Marlene, gespielt von Ute Singer, doch so sehr darauf angewiesen. Denn die will mit ihrem Teil der Beute ihren Internetshop für gestrickte Eierwärmer endlich erfolgreich an den Start bringen. Das ist die ernste Note der Komödie. Unterschwellig handelt das Stück von der Altersarmut.

Dass die Aufführung dabei nicht in Sozialkitsch abgleitet, ist der schauspielerischen Leistung der sechs Akteure zu verdanken. Auch Frank Müller, der Gerdas Sohn mimt, fügt sich bei seinem ersten Bühnenauftritt perfekt ins Team ein. Cornelia Poltmann als Gerda, Rainer Holzwarth als Hector und Axel Opitz als Polizist spielen in bewährter Weise auf. Für Lacher sorgt unter anderem Peter Eisele, der als Gauner Fred den Stotterer glaubhaft darstellt. So sehr, dass der Gag zündet, als der Ganove ins Sächsische verfällt und der Sprachfehler damit verschwindet. Souffleuse des Abends war Siggi Schmied.

Trotz der schlichten Bühnengestaltung, die – so sieht es das Drehbuch vor – nur aus einem kärglich eingerichteten Wohnzimmer besteht, durfte sich das Publikum also opulent unterhalten fühlen. Das ist nicht zuletzt Regisseur Reinhardt Giebel zu verdanken, der an entsprechenden Stellen Hand ans Drehbuch legte. Aus der im Drehbuch vorgesehenen Helga in Ermangelung einer dritten Frau den männlichen Part des Hectors zu schreiben, war dabei noch eine der leichteren Übungen, sagt der Regisseur.

Dass er und sein Team es nach einer gelungenen Premiere mit den Gästen bei der Musik von Al and Al haben krachen lassen, versteht sich von selbst. Das Duo, das erstmalig beim Turnerbund auftrat, habe bis nachts um zwei Uhr für Stimmung gesorgt, berichtet Giebel. „Ich habe noch nie eine Band gehört, die anderthalb Stunden ohne Pause gespielt hat. “ Die so verbreitete gute Laune war auch dem Barbetrieb zuträglich.

Ob es in diesem Jahr eine zweite Aufführung von „Bankraub mit Rollator“ geben wird, ist noch fraglich. Allerdings steckt viel Probezeit in dem Stück, weshalb die Gruppe es gerne nochmals auf die Bühne bringen würde. Auf der Homepage des Turnerbundes Rielingshausen ist die Kontaktadresse zu finden. „Dort kann man uns gerne für private Feiern oder ähnliches buchen“, wirbt Regisseur Reinhardt Giebel.